Stella Engel: Der erste Schutzauftrag: 07. Das erste spirituelle Duell

Guten Tag Engelfans,

montags immer Engelroman! Und auch diesmal konnte ich mich an diese Regel halten. Heute wird Stella Engel spirituell getestet. Sie lernt Arunja kennen, die die Vertraute von Bendix Krämer in esoterischen Belangen ist.

Unter diesem Beitrag sind als Bonusmaterial zwei Artikel zum Thema Blindenschrift eingestellt. Ich wünsche Euch gute und informative Unterhaltung mit diesen drei Posts!

Liebe Grüße

Paula Grimm

07. Das erste spirituelle Duell

ungefähr eine Stunde später sitzen Arunja, Bendix und ich im ersten Stock an Bendix’ Schreibtisch.
a”Kindchen, du kannst jetzt nach unten in die Küche gehen und noch einen Kaffee trinken. Wenn wir entschieden haben, ob wir dich schon morgen arbeiten lassen, sagen wir dir dann bescheid. Aber es kann dauern. Schließlich haben wir auch noch andere Dinge zu besprechen.”
Und es gelingt Arunja sehr geschäftsmäßig zu klingen, während sie das sagt. Aber sie macht eine ungeduldige Handbewegung in meine Richtung, als wollte sie ein Insekt verscheuchen. Und ich weiß, dass sie sich darüber ärgert, dass ich ganz gelassen aufstehe, zur Tür gehe und diese langsam hinter mir schließe. Und es wundert mich überhaupt nicht, dass sie mir, nachdem die Tür geschlossen ist, “Teufelsweib!” hinterher spuckt. Ich halte wie durch ein leises Signal gewarnt inne. Denn die geschlossene Tür hält nichts von der Bosheit, dem Neid und der gekränkten Eitelkeit, die in diesem Wort stecken auf und von mir ab. Es ist diese ätzende Mischung ihrer Gefühle, die mir durch Mark und Bein geht. Schließlich bin ich in Menschengestalt und daher auch mit menschlichen Gefühlen ausgestattet. Der Begriff Teufelsweib macht mir dagegen überhaupt nichts aus, obwohl das natürlich vor allem in Engelskreisen ein echtes Schimpfwort ist, denn Luzifer, Satan oder wie man ihn auch nennen mag, ist ein abtrünniger Engel. Und das gilt auch für seine Anhänger, die ihm gefolgt sind.”Wir werden sie auf jeden Fall ab morgen arbeiten lassen. Sie kann wirklich was. Sie ist ein Goldesel. Aber sie braucht nicht zu denken, dass ich ihr nicht genau auf die Finger sehe. Und ich koche sie weich, damit sie ab 15. Juni auch bei unserer Fernsehsendung mit macht. Eine junge, große Frau, die einigermaßen gut aussieht und solche Fähigkeiten hat, ist ein Publikumsmagnet. An ihrem Stil müssen wir selbstverständlich auch noch feilen. Du siehst es ja nicht. Aber dieser nichts sagende Freizeitstil bei den Klamotten, das geht überhaupt nicht.”
Also gilt es auf der Hut zu sein. Ich beschließe nach unten zu gehen und wirklich noch mindestens einen Kaffee zu trinken. Ich habe es aber nicht eilig in die Küche zu gehen und mich auf den Platz zu setzen, an dem noch meine schöne, große Kaffeetasse steht. Ich habe Zeit über alles sorgfältig nachzudenken, denn sie werden mich absichtlich lange warten lassen. Das gehört zu dem, was Arunja weich kochen nennt und soll mich mürbe machen. Aber das macht mir nicht das Geringste aus. Denn meine Zeit ist ja die Ewigkeit.

Mein irdischer Chef und ich hatten nicht lange auf Arunja warten müssen, nachdem Bendix sie angerufen hatte. Als sie gekommen war, hatte sie erst einmal Sturm geklingelt. Und Thessa hatte im Arbeitszimmer von Herrn Bass aufgeregt angeschlagen.”Dieser Scheißköter!” hatte Bendix geschimpft, war umständlich aufgestanden und zur Haustür gewackelt. Als Bendix ihr die Tür geöffnet hatte, hatte sie ihren Vorgesetzten übertrieben herzlich gegrüßt. Küsschen links und Küsschen rechts.”Guten Morgen Bendix! Gut siehst du heute aus. Ist das ein neues Aftershave? – Interessant!”

Arunja ist eine Frau Anfang fünfzig. Sie ist mittelgroß, hat scharfe, graue Augen. Dagegen sind Haltung und die übrigen Gesichtszüge übertrieben weich und nebelhaft vergeistigt. Sie hat mittellanges, blondes, gelocktes Haar, von dem man nicht sagen kann, was davon natürlich oder vom Friseur ist. Während sie einander begrüßten, stand ich auf und ging Richtung Haustür. Es war genau die richtige Entscheidung, denn plötzlich wandte sich Arunja von unserem Chef ab und stürzte auf mich zu. Ich wollte sie nur einfach begrüßen. Ich wollte aber auf keinen Fall ein Küsschen links und ein Küsschen rechts. Also trat ich noch einen Schritt vor und streckte ihr einfach meine rechte Hand entgegen.
“Guten Tag, Stella Engel!” sagte ich freundlich aber nicht in besonders vertraulichem Ton. Darüber, dass ich so ruhig und entschlossen das tat, was ich für richtig hielt, war sie so erstaunt, dass sie mir einfach nur leicht irritiert ihre rechte Hand gab. Doch es war offensichtlich, wie gern sie zumindest für einen Augenblick vollen Zugriff auf mich gehabt hätte, obwohl das für sie gar keinen Nutzen hätte haben können. So leicht wird man meiner nicht habhaft. Natürlich hatte sie ihre Fassung nicht vollkommen verloren. Das war auch nicht meine Absicht gewesen, obwohl mir klar war, dass sie mich auf jede erdenkliche Art herausfordern wollte. „Ich will jetzt erst einmal die Unterlagen sehen!“ meinte Arunja.
Als ich ihr den Umschlag gab, der auf dem Tisch gelegen hatte, sah sie sich nur den Bogen an, auf den ich mein Profil eingetragen hatte. Nachdem sie meine Angebote gelesen hatte, schüttelte sie den Kopf sagte aber zunächst nichts dazu.

”Bevor wir an die Arbeit gehen, wäre es wohl doch gut, dass wir uns erst einmal ein bisschen kennen lernen!”
“Das ist gut! Da wir gerade dabei sind, wie heißen Sie eigentlich wirklich, Arunja?”
“Aber Kindchen, wir sind doch alle eine große Esoterikfamilie und per Du. Da reicht doch wohl mein Künstlername!”
Hätte ich ihr widersprochen, hätte sie sicherlich noch sehr lange darüber schwadronieren können, warum man in den spirituellen Kreisen immer vertraulich per du und künstlich nah ist. Aber auf solche Diskussionen hatte ich und habe ich keine Lust. Also beschloss ich es dabei bewenden zu lassen und sie bei bedarf mit Arunja und Sie anzusprechen.”Darf ich deine Aura lesen?”
Das hatte sie geschickt gemacht. Das muss man ihr lassen. In dem sie um Erlaubnis gebeten hatte meine Aura lesen zu dürfen, musste sie vor Bendix, der inzwischen wieder heftig schaukelnd auf seinem Platz saß, nicht zugeben, dass sie, obwohl sie eine erfahrene Auraleserin ist, meine Aura nicht ohne Weiteres hatte ansehen können.

Bezogen auf die Aura gibt es eine Grundregel, die für alle Wesen, auch für uns Engel, gilt. Die Aura, also die ureigenste Ausstrahlung, eines Wesens ist niemals vollkommen identisch mit der körperlichen Gestalt des Wesens, zu dem die Aura gehört. So sehen Menschen, die ein leuchtendes Wesen mit Flügeln und heiligen Schein sehen, eine Engelgestalt nicht aber die Aura des Engels. Die Gestalten von Engeln können verändert werden, weil wir übernatürliche Wesen sind. Aber unsere Aura bleibt immer gleich. Und Menschen können lernen die Aura anderer Menschen zu sehen und zu lesen. Aber sie können die Aura eines Engels normalerweise nicht sehen, weil wir unsere Aura bedeckt halten. Schließlich können Menschen nicht lernen die Aura eines Engels zu lesen., wirklich zu verstehen, was die einzelnen Elemente bedeuten Sehen können Menschen die Aura eines Engels nur, wenn der Engel sie ihnen zeigt. Aber, wenn Arunja meine ureigenste Ausstrahlung sehen wollte, so sollte sie es haben.”Natürlich dürfen Sie meine Aura lesen. Ich hab’ vor niemandem etwas zu verbergen!”Und während ich das sagte, machte ich eine Geste mit meiner linken Hand und streifte die Decke von meiner Aura kurzer Hand ab.
Ich kann meine Aura ohne Bedenken Menschen zeigen, denn das große, runde Leuchten, aus dem meine Aura besteht, ist kräftig, aber es blendet Menschen nicht. Die Größe und die Grundform meiner Aura bleiben immer gleich. Meine Ausstrahlung besteht auch immer aus den Farben mittelblau und purpurrot. Doch die innere Farbkonstellation meiner Aura verändert sich stetig. So ist beispielsweise ein blauer Punkt für eine gewisse Zeit in der Mitte, bevor sich dann ein purpurroter Mittelpunkt zeigt etc. Bei dieser Bewegung in meiner Aura handelt es sich nicht um eine Störung. Es ist einfach nur ein besonderes Merkmal meiner ureigensten Ausstrahlung. Aber Arunja hatte so etwas noch nie gesehen. Und als ich ihr verdutztes Gesicht sah, machte ich einfach die umgekehrte Handbewegung, um meine Aura wieder zu bedecken und fragte mit absichtlich unsicherem Ton in der Stimme: “Nun, stimmt was nicht?”
Arunja schloss ihre grauen Augen und stotterte mit leicht hysterischem Unterton in der Stimme: “Das ist – Das ist – Das ist doch keine Aura!”
“Wie bitte? – Aber, wenn es keine Aura ist, was ist es dann?”
“Es ist eine wabernde Ausstrahlung aus mittelblau und purpurrot. – Ich hasse purpurrot!”
“Aber eine Ausstrahlung ist eine Aura doch immer, gleichgültig, welche Form oder Farbe sie hat. Also ist es doch eine Aura. Und dafür, dass sie eine Farbe hat, die Ihnen nicht gefällt, kann niemand was!”Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich sie in einem Gebiet empfindlich getroffen hatte, in dem sie sich für ziemlich unverwundbar gehalten hatte. Aber das musste keineswegs bedeuten, dass sie es damit bewenden lassen würde. Es war wahrscheinlich, dass sie von mir erwartete, dass ich ihre Aura lesen und analysieren sollte. Dazu wäre ich leicht in der Lage gewesen. Aber ich wollte einfach nicht. Ich wollte über sie nicht mehr wissen als nötig. Und ich war mir sicher, dass ich alles, was ich über sie wissen musste, um mit ihr umgehen zu können, auch ohne das Lesen ihrer Aura erfahren würde. Also sagte ich:
“Ein persönliches Gespräch unter Kollegen ist wichtig und nützlich. Aber wir werden uns sicher gut genug kennen lernen, wenn wir nach oben gehen, und Sie erleben, wie ich berate und arbeite.”
Sie sah mir fest ins Gesicht. Aber sie konnte nichts Falsches in meinem offenen Blick entdecken. Sie fragte sich aber doch, ob es klug war, jemanden in die eigene Aura sehen zu lassen, der selbst so eine komplexe Aura hatte, wie ich sie nun mal habe. Das ” ist wahrscheinlich richtig! Aber eins möchte ich noch von dir wissen, Kindchen! Warum machst du keine Rückführungen, obwohl du sonst doch eigentlich alle spirituellen Techniken beherrschst?”
“Ich mache keine Rückführungen, weil ich mit Reinkarnationslehren alles Andere als gute Erfahrungen gemacht habe.”
“Aber man soll doch für alles offen sein und alles ausprobieren. Und in deinen jungen Jahren ist eine so deutliche Ablehnung wohl nicht angebracht. Schließlich hemmt eine derart kategorische Ablehnung deine spirituelle Entwicklung!”
“Es ist, wie ich es gesagt habe. Meine Erfahrungen mit Reinkarnationslehren ist überhaupt nicht gut. Und alles kann keiner. So ist das nun mal.”
Sie sah mich argwöhnisch an. Aber mein Blick war wie zuvor offen, ruhig und ehrlich. Und da blieb ihr nichts übrig, als es dabei bewenden zu lassen.

“Also, Bendix, geh’ schon mal vor und logg’ dich ein! Wir kommen nach.” Mein irdischer Chef machte sich geräuschvoll auf den Weg in sein Zimmer.
“Eins muss ich dir sagen, Kindchen! Bendix ist voll in Ordnung, aber er versteht nichts von den spirituellen Dingen, jedenfalls noch nicht! Du brauchst dich also überhaupt nicht zurückzuhalten. Aber du solltest auch nicht versuchen mich vor ihm blamieren zu wollen!”
Ich hatte weder das Eine noch das Andere vor oder schon getan. Doch mir war natürlich schon sehr bewusst, dass Arunja zumindest das Zweite bei mir versuchte. Sie wollte mich auflaufen lassen oder blamieren. Ich sollte als das frühreife, spirituelle Küken da stehen, das ich ihrer Meinung nach war und gefälligst bleiben sollte. Wir

gingen langsam die Treppe in den ersten Stock hinauf.
“Sein Schlaf- und Arbeitszimmer ist das letzte Loch, was dieser Leo in seinem Haus hat!” erklärte Arunja und öffnete die Tür, die sich linksseitig von der Treppe befand. Ein geräumiges Zimmer, in dessen Mitte ein großer Schreibtisch steht, das dazu noch einem geräumigen Einbauschrank einem gemütlichen, breiten Bett und einer Kommode Platz bietet, und dessen großes Fenster auf den Garten hinaus sieht, würde ich keinesfalls als ein Loch, erst recht nicht als das letzte Loch bezeichnen. Und doch muss ich sagen, dass wir einen Saustall betraten. Nur der Schreibtisch und die drei Stühle, die sich an den beiden Seiten seines Arbeitsplatzes befanden, waren aufgeräumt. Ansonsten herrschte das Chaos. Das Bett war nicht gemacht und war mit Kleidern übersät. Auf dem Boden lagen ebenfalls Kleiderbündel und Punktschriftzeitschriften herum. Auch auf der Fensterbank lagen Papiere und standen leere Cola- und Likörflaschen.

Bendix hatte auf der einen Seite des Schreibtisches Platz genommen und schaukelte gemächlich vor sich hin, während er an der Tastatur und Bedienelementen seiner Braillezeile herumfingerte. Der Computer war selbstverständlich schon eingeschaltet. Er hatte sich in die Seherline eingeloggt. Er gab mir das Telefon, und Arunja und ich setzten uns auf die Stühle, die sich auf der anderen Längsseite des Schreibtischs befanden.
Wir hatten gerade Platz genommen, als das Telefon auch schon klingelte.”Hellsehen ohne Hilfsmittel?” fragte arunja, und ich nickte und nahm das Gespräch entgegen. “Seherline! Hier spricht Stella und mit wem spreche ich?”
“Guten Tag! Hier spricht Doris!” antwortete eine unsichere Frauenstimme, und ich sah vor meinem inneren Auge eine rotblonde, mittelgroße Frau Mitte dreißig. Und mir kam augenblicklich der Verdacht, dass Arunja oder Bendix eine Kundin überredet hatten, mich anzurufen, um mich auf die Probe zu stellen. Und dann sagte sie auch noch: “Ich sollte, ähm, ich wollte fragen, ob mein Herzensmann zu mir kommt!”
Und ich sah, sehr genau, was sich im nächsten halben Jahr im Leben von Doris ereignen sollte. Ich spürte aber auch, wie Arunja versuchte Herrin der Situation zu werden, die Gedanken von mir und Doris zu “scannen” und ggf. zu manipulieren. Ihr Blick wurde plötzlich sehr stechend. Also wandte ich ihr meinen Blick zu und zeichnete genau in der Mitte zwischen ihr und mir mit dem Zeigefinger meiner linken, meiner Arbeitshand Anker, Herz und Kreuz in die Luft. Sie sah, dass ich meinen Finger bewegte, aber da ich Glaube, Liebe, Hoffnung ganz klein in die Luft schrieb, konnte sie es nicht erkennen.”Doris, ist es in Ordnung für dich, wenn ich dir alles ganz genau sage, was ich sehe?”
“Natürlich!” antwortete Doris. Ihre Stimme klang immer noch unsicher. Sie fragte sich wohl, ob sie alles in Arunjas Sinne richtig gemacht hatte, und ob Arunja auch mit meinem Vorschlag einverstanden war.
“”Bei deinem nächsten Einkauf im Supermarkt wirst du eine Frau treffen, die du seit Jahren nicht mehr gesehen hast, sie ist dunkelhaarig, in deinem Alter und du kennst sie aus deiner Kindheit, obwohl ihr früher nicht allzu eng befreundet wart, wird auch sie Dich sofort erkennen. Sie heißt übrigens Regine. Grüße sie einfach. Denn bei dem Gespräch, das sich dann entwickelt, wird sie dich zu sich einladen. Und spätestens, wenn du sie besuchst, wird es dir vorkommen, als hättet ihr euch gestern das letzte Mal gesehen und wärt beste Freundinnen gewesen. Denn sie wollte schon als Kind mit Dir gut befreundet sein. Du kannst ihr alles sagen, was dir auf dem Herzen liegt. Anders als die Menschen, die du sonst so kennst, wird sie dir nicht gleich mit Lösungsvorschlägen auf die Pelle rücken. Aber sie wird dir nach und nach nützliche Tipps geben. Und sie ist bekannt mit deinem Herzensmann, der gerade alles in seinem Leben verändert. Du wirst über sie wieder in Kontakt mit ihm kommen. Und wie gesagt, sie wird dir in den nächsten Monaten immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Du wirst deine Wohnung behalten können, deine Finanzen in Ordnung bringen und die Partnerin deines Herzensmanns werden. Aber das alles wird ein halbes Jahr dauern und Schritt für Schritt vor sich gehen. Und die Menschen in deiner Umgebung werden ungeduldig werden und versuchen dich zu manipulieren. Übrigens, den Job, den dir dieser scheinbar so großzügige Mensch vorige Woche versprochen hat, wirst du nicht bekommen. Der feine, junge Mann wird dich nächste Woche sehr übel abkanzeln. Aber das macht nichts. Denn sobald der dir die Tür vor der Nase zugeschlagen hat, bekommst du ein anderes Angebot, auf das dich übrigens deine alte Bekannte und neue Freundin hinweisen wird.”
DA ich mir ansah, was mit Doris geschehen sollte, sah ich es nicht, aber ich spürte, dass Arunjas Gesichtszüge vollkommen entgleisten.”Doris, hast du noch Fragen?” “Nein, Stella! – Vielen, herzlichen Dank!”
“Spätestens ab 01. Juni schaltet mir der Betreiber meine E-Mailadresse frei. Wenn noch irgendetwas ist, kannst du mir in den nächsten vier Wochen schreiben und bekommst kostenfrei eine Antwort. Das gehört sozusagen zur Nachsorge.”
Ich hörte, dass sich Doris noch einmal herzlich bei mir bedankte, und dass Arunja und Bendix gleichzeitig tief Luft holten. Meine Kundin und ich, wir verabschiedeten uns voneinander, und ich drückte das Gespräch weg. Leise meldete sich ein Zweifel in meinem inneren Ohr. Denn ich hatte alles genau gesagt, nur den Namen des Herzensmanns hatte ich nicht ausgesprochen. Das war Arunja sicherlich nicht entgangen. Aber, was soll’s! Doris weiß von wem die Rede war.

Arunja starrte mich an.”Das mit der Nachsorge steht nicht im Vertrag, oder?”
“Stimmt, es steht nicht im Vertrag und auch nicht in den AGB. Aber es steht auch nicht in den Unterlagen, dass so ein Angebot verboten ist! Und ich für mein Teil werde dieses Angebot in mein Profil eintragen.”
“Mach’ dir keine Sorgen! Im November kommen die Verträge und AGB ohnehin auf den Prüfstand.”
Und während er das sagte, schaukelte mein irdischer Chef unverdrossen weiter.”Möchtest du auch ‘ne Zigarette?” fragte arunja. “Nein, danke, im Moment nicht!”
Arunja zündete sich eine Zigarette an und starrte in den Rauch, als könnte sie aus dem Zigarettenrauch lesen.”Du musst ein verdammt gutes Gedächtnis für deine Kunden und eine ausgezeichnete Gesprächsführung haben, wenn du so eine Nachsorge anbieten willst, ohne ständig ausgenutzt zu werden!”Und ich hörte aus dem Klang ihrer Stimme, dass sie davon ausging, dass ich weder ein ausreichend gutes Gedächtnis noch eine geeignete Gesprächsführungstechnik haben würde, um nicht ausgenutzt zu werden. Ich tat, als hörte ich diese Unterstellungen nicht. “Logg’ dich aus, Bendix! Wir versuchen mal etwas Anderes!”
Bendix drückte auf der Tastatur herum und kurze Zeit später wurde der Computer herunter gefahren.

“Bendix, hast du noch eine frage an Stella?”
Er tat, als müsste er scharf überlegen. Aber ich wusste, was er wissen wollte.
“Sie möchten wissen, wie es mit Magdalena weiter geht, und ob sie endlich ihrer habhaft werden können!” “Ich möchte vor allem erst mal wissen, ob sie überlebt!”
“Dazu steht allerdings etwas in den AGB und im Vertrag. Fragen nach gesundheitlichen Aspekten oder nach dem Ableben von Personen dürfen nicht beantwortet werden.”
“Aber wir sind hier doch unter uns, sozusagen unter Profis und Gleichgestellten!” Bendix nuschelte in einem Ton, den er wohl für beschwichtigend hielt.
“Nein, wir sind hier nicht unter Gleichgestellten. Denn Sie sind mein zukünftiger Vorgesetzter. Und diese, wie soll ich sagen, Grundregeln gelten für jede Beratung.”
Bendix machte ein beleidigtes Gesicht. Und mir wurde schlagartig bewusst, dass er wirklich geglaubt hatte, dass ich nur, weil ich diese Arbeit schneller antreten wollte als geplant, und weil er mein Chef sein würde, meine Prinzipien sofort über Bord werfen würde. Arunjas Gedanken gingen in die gleiche Richtung. Das spürte ich genau. Aber sie sagte: “Ähm, das geht wirklich nicht!”
Ihr stechender Blick glitt an mir ab, und ich erklärte vorsichtshalber:
“Sie wollen beide, dass ich ehrlich zu ihnen bin. Also bekommen sie eine klare und ehrliche Aussage. Ich werde Ihnen, Bendix, nichts über Magdalena sagen. Sie sind beleidigt, dass Sie seit über dreißig Jahren nicht bei ihr landen können und haben auch sonst keine guten Absichten, sind Besitz ergreifend und so. Da ist es wohl nicht angezeigt, Ihnen etwas über sie zu sagen.”
Wieder sah mein zukünftiger Chef wie eine beleidigte Leberwurst aus. Aber er sagte nichts, weil er einfach wusste, dass ich die Wahrheit gesagt hatte. Arunja stand auf und ging zu ihm. Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr und streichelte ihm beruhigend über den Rücken.”Ihr passt sowieso sehr gut zueinander!” Dachte ich.

Als Arunja wieder zu ihrem Platz zurückkam schickte sie mich weg. “Stella!”
“Ja, Herr und Meister!”
“Stella, ich heiße Gabriel!”
“Was gibt es denn, Gabriel?”
“Du hast alles richtig gemacht. Und du bist jetzt gewarnt. Pass’ also auf, was Arunja in der nächsten Zeit macht.”

© Paula Grimm, 2015
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