Stella Engel: Der erste Schutzauftrag: 08. Unter vier Ohren Mit Thessa

Guten Tag Engelfans,

heute ist Montag und montags immer Engelroman! Im achten Kapitel unterhält sich Stella mit Thessa, der Blindenführhündin von Leo bass. Und dabei erweist es sich nicht zum letzten Mal als Gut, dass die sprachbegabte Stella ausgerechnet diesen Schutzauftrag bekommen hat. So kann sie sich ganz ungehindert mit dem Tier unterhalten. Ich wünsche Euch gute Unterhaltung bei diesem Kapitelchen!

Liebe Montagsgrüße

Paula Grimm

08. Unter vier Ohren Mit Thessa
Ich sitze in der Küche und mir wird klar, wie schroff ich mich Arunja und Bendix gegenüber verhalten habe.”Angemessen ist wohl ganz anders!” denke ich.
“Und warum hat Gabriel mein Verhalten nicht kritisiert oder mit einer Strafe geahndet?”
Ich vermute, er will, dass ich selbst herausfinde, wie ich am Besten mit ihnen umgehen soll. Man lernt eben nie aus, auch oder gerade, weil man ewig ist.Ich bin so in meine Gedanken versunken, dass ich nicht bemerke, wie Thessa in die Küche kommt.

Sie stupst mich freundlich mit ihrem Maul an und denkt mit ihrer inneren Stimme in meine Richtung: “Hallo Stella!”
Sie weiß natürlich zunächst nicht, dass ich nicht nur merke, wie sie sich mir zuwendet, sondern dass ich sie auch verstehen kann. Also denke ich konzentriert zu ihr hin: “Hallo Thessa!”
Und sie begreift sofort, wie gut wir uns über unsere inneren Stimmen und Ohren verständigen können. Und sie beschließt sich mit mir zu unterhalten.
“Sag’ mal, Stella, was bist du eigentlich für ein Wesen? Zugegeben, du siehst aus wie’n Mensch. Du riechst auch beinahe so und hörst dich auch fast so an. – Aber eben nur fast!”
“Ich bin ein Schutzengel, der gestern in Menschengestalt auf die Erde geschickt wurde!”
“Hm, Schutz klingt gut. Schutz klingt sogar sehr gut. – Aber du bist doch nicht etwa, zur Strafe, zum Schutz für bendix und/oder arunja hier, oder?”
„Gott sei Dank nicht! Ich bin der Schutzengel für Magdalena. Und ich soll nicht nur auf sie aufpassen, weil sie im Krankenhaus ist. Ich soll ihr Leben in Ordnung bringen!”
Und weil mein Herr, der Leo, der Bendix und auch die Arunja mit Magdalena zu tun haben, musst du für diese beiden Angeber und Spinner da oben arbeiten. Als Tarnung sozusagen.” “Genauso ist es!”
“Und du redest jetzt nicht auch noch mit deiner menschlichen Stimme zu mir, weil auch sie dann merken würden, dass wir uns ohne Einschränkung unterhalten Können, nicht wahr?” “Auch das stimmt ganz genau!”
“Dann möchte ich wissen, ob du auch für diese Liebessachen zwischen den Menschen zuständig bist.” “Aber selbstverständlich! Ich bin für alles zuständig, was Magdalena betrifft!” “Dann besteht ja durchaus noch Hoffnung!”

Thessa macht eine Pause, legt ihren schokobraunen Kopf auf meinen Schoß und lässt sich die Ohren kraulen.”Aber, was das angeht, müssen wir Geduld haben. Erst muss Magdalena wieder so gesund als möglich werden. Und es wird auch seine Zeit dauern, weil ich als Schutzengel einige Möglichkeiten habe, positiv auf Menschen einzuwirken, aber ich muss den menschlichen Willen respektieren.!
“Das verstehe ich. Aber mir geht langsam in dieser Sache die Geduld aus. Es geht mir auf den Geist, dass die Freundin meines Herrn immer noch da ist und sich immer mehr aufspielt. Seine Freundin ist zur Zeit die viel jüngere Schwester von Bendix. Sie heißt übrigens Vanessa und ist Tänzerin und Tanzlehrerin. Die ist nur anders schlimm als ihr Bruder. Aber wie dem auch sei! – Du sagst, dass Magdalena erst so gesund als möglich werden muss, bevor du in der Liebessache etwas machen kannst. Was wird ihr denn fehlen, wenn ich fragen darf?”
“Ihre Stimme wird ihr fehlen. Besser gesagt, sie wird nach dem Unfall nicht mehr sprechen können.”
Auf dem freundlichen Hundegesicht breitet sich Entsetzen und Trauer aus. Und Thessa muss ein betroffenes Heulen unterdrücken.
“Ich verstehe zwar nicht alles, was Menschen so von sich geben und manchmal ist das wahrscheinlich auch besser so, aber es gibt viele Menschenstimmen, die mir gefallen. Und zu den Stimmen, die ich sehr gern gehört habe, gehörte die Stimme von Magdalena. Ich werde sie vermissen. Dafür müssen wir dann noch viel mehr Gekeife von Vanessa und arunja anhören. So eine Katzenscheiße!”
“Ich werde versuchen darauf zu achten, dass ihr Gelaber nicht allzu sehr Überhand nimmt!”

Thessa hat natürlich recht. Wo jemand ist, der nichts sagen kann, reden die Anderen noch mehr.”Und da ist noch etwas! Es hat nicht mit Magdalena zu tun aber mit ihrer Freundin Lea und uns Hunden. Willst du nicht vielleicht auch einen Hund haben? Deiner Tarnung schadet es doch wohl nicht, wenn du einen Hund hast!” “Nein, es schadet meiner Tarnung nicht.”
“Auch die Lea hatte einen Führhund. Und auch die Lea war in einen Unfall verwickelt. Ihr Hund, die Daisy, hat sie gerettet. Aber dabei wurde sie selbst so verletzt, dass der Tierarzt ihr einen Teil des rechten Hinterlaufs abnehmen musste. Sie kann jetzt nicht mehr als Führhund arbeiten und ist bei Leas Eltern. Aber Leas Schwester, die auch blind ist und noch bei den Eltern wohnt, fühlt sich vernachlässigt seit Daisy da ist. Und jetzt sucht Lea jemanden, der die Daisy haben will. Sie ist übrigens ein Schäferhundretrievermix.”
“Meine Mitbewohnerin hat gestern schon gesagt, dass sie gern ein Haustier hätte. Dein Herr hat ja gesagt, dass die Lea vorübergehend hier wohnt und gleich kommt. Ich werde das Gespräch auf Hunde bringen. Das lässt sich bestimmt regeln.” Ich streichele Thessa beruhigend den Kopf.

Plötzlich sindSchritte auf der Treppe zu hören und die Stimmen von Arunja und Bendix.
“Der Leo hat sicherlich keine Lust auf eine Grillparty heute Abend. Aber ich überrede ihn einfach.”
“Ist gut! Gut wäre, wenn wir vorher eine Hausreinigung machen. Ich komme dann früh genug mit dem Weihrauch.”
Thessa schüttelt sich.”Ich bin dann mal weg!” sagt sie zu mir und rast die Kellertreppe hinunter und wenige Sekunden später wird mir klar, warum sie es so eilig hat. Denn mit Arunja kommt ein fürchterlicher Geruch nach irgendeinem Duftöl, das überhaupt nicht zu ihr passt, dass sie gerade frisch aufgetragen haben muss, in die Küche. Und ich höre mit meinem inneren Ohr, wie Thessa vom Fuß der Kellertreppe zu mir nach oben denkt: “Die stinkt mir aber so was von gewaltig!”

© Paula Grimm, 2015

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Diesen Blog führe ich seit dem 16. November 2012. Als Autorin benutze ich das Pseudonym Paula Grimm. In diesem Blog findet Ihr nicht nur Prosatexte, Haikus und Essays sondern auch Wissenswertes über das Schreiben, Barrierefreiheit, Internetshops und Webseiten, die ich bei meinen Streifzügen durch das Web finde und alles, was mich privat und beruflich interessiert. Christiane (Texthase Online)
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