Stella Engel: Der erste Schutzauftrag: 09. Im Dienst der Esoterik?

Guten Tag Ihr Lieben,

montags immer Engelroman! Und an diesem Montag folgt das neunte Kapitel über den Schutzengel Stella. Viel passiert nicht. Stella muss sich an manche Unarten der Menschen erst einmal gewöhnen. Im nächsten Kapitel, 10. In Leas und Magdalenas Gedanken, besucht Stella Magdalena zum ersten Mal und hilft ihrer Freundin Lea sich auf die Situation einzustellen. Naja, jetzt geht es erst einmal um den Dienst an der Esoterik!

Liebe Grüße

Paula Grimm

09. Im Dienst der Esoterik?

Gemütlich schaukelnd sitzt mein irdischer Chef auf seinem Platz in der Küche, als es an der Haustür klingelt. Thessa kommt freudig bellend die Kellertreppe herauf, geht zur Tür und öffnet sie mit der linken Vorderpfote .Auch Herr Bass kommt aus seinem Arbeitszimmer, um „seinen Gast zu begrüßen. „Guten Tag, Lea!“
Er nimmt die kleine runde Frau kurz in den Arm. Dann fragt er sie, ob er ihr ihren Rucksack abnehmen darf,um ihn ins Gästezimmer zu bringen.
„Das sieht aus, als ob sie länger bleibt!“ Flüstert Arunja Herrn Krämer zu. Der setzt einen sehr angewiderten Gesichtsausdruck auf. Die Ablehnung, die dieser Mensch ausstrahlt ist so stark, dass ich spontan reagieren muss. Ich sehe wie gestern Abend mit meinem dritten Auge auf meinen linken Handrücken, um sie zu einer Engelhand zu machen, bevor ich die Handfläche in Richtung meines irdischen Chefs zeigen lasse und einmal heftig nach unten streiche. Es fühlt sich unangenehm an, wenn ein Engel Zorn, Abneigung oder andere negative Gefühle wegwischen muss, damit sie sich nicht in einem Raum ausbreiten können und keinen Schaden mehr anrichten. Das widerliche Pulsieren in meiner Linken hört nicht so schnell auf, wie ich gehofft habe.
Krämer merkt sogar, dass irgend etwas passiert ist und hört kurz auf zu schaukeln. Auch Arunjas Gesicht zeigt, dass auch sie etwas gespürt hat. Doch sie wirkt einen Augenblick lang irritiert. Und danach leuchtet nicht einmal ein Kleiner Funke des Verstehens in ihren Augen auf. Also hat auch sie keine Ahnung davon, was ich getan habe.

Während Leo Bass das Gepäck ins Gästezimmer trägt, kommen Frau Hafenmeister und Thessa an den Küchentisch und setzen sich.

Als der Hausherr in die Küche kommt, fragt er:
„Wie wäre es mit einem kleinen Imbiss?“
„Aber wirklich nur eine winzige Kleinigkeit! Wir wollen heute Abend ja schließlich mit unserem gesamten Team hier im Garten grillen, nicht wahr, Bendix?“ „Grillen, hier im Garten, mit allen, die auf der Line arbeiten?“

Da Herr Bass gerade dabei ist neuen Kaffee zu machen, kann man sein Gesicht nicht sehen. Aber seine Stimme klingt sehr ungehalten. Und obwohl ich ihn noch nicht gut kenne, höre ich ihm an, wie selten er so spricht.

„Mit Frau Engel sind wir doch nur zwanzig Leute!“ nuschelt Bendix Krämer. „Was soll das heißen, nur zwanzig Leute?“

„Hast du etwa keinen Grill, oder was?“ fragt Bendix.
„Aber natürlich hat er einen Grill im Keller. Das hab’ ich bei der Hausreinigung gesehen, die ich an dem Tag gemacht habe, an dem wir die Seherline eröffnet haben!“ Arunja zündet sich eine Zigarette an und redet einfach weiter.
„Ich hab’ den Holzkohlengrill, ein Motorrad und anderen Krempel, der wahrscheinlich einem Verstorbenen gehört hat, in einem der beiden Kellerräume gesehen, als ich mit dem Weihrauch durchs ganze Haus gegangen bin. – Ich sag’ dir was, Leo, du solltest dich von diesem morbiden Gerümpel trennen. Je mehr man davon im Haus hat, desto häufiger und gründlicher muss es gereinigt werden. Diesmal muss ich schon Teufelsdreck anstatt Weihrauch nehmen. Außerdem wird man selbst ganz morbide von diesen morbiden Sachen!“
„Wo sie recht hat, hat sie recht! Du bist mindestens schon so morbide wie die Sachen, die du seit dem Tod deines Bruders da unten aufbewahrst. Und Du bist auch schon fast so Tot wie Dein Bruder!“
Und während Krämer das sagt, grinst er die ganze Zeit, schaukelt auf seinem Stuhl hin und her und drückt seine Fäuste in seine Augen.Und mir bleibt nichts übrig als noch einmal die Abwehrgeste zu machen, die bereits vor wenigen Minuten schon zum Einsatz kommen musste.

Leo Bass hat inzwischen den Tisch gedeckt und stellt eine Schüssel mit griechischem Salat und einen Korb mit Fladenbrot dazu.
„Vielleicht ist es wirklich eine gute Idee so viel als möglich zu verkaufen. Und als Erstes stelle ich den Grill in die Zeitung. Ich kann mit dem Teil ohnehin nicht umgehen und ihr wahrscheinlich auch nicht!“
„Und was ist mit dem Motorrad? – Damit kannst du Blindfisch nix anfangen. Manche Sachen im Leben laufen einfach dumm ab. Es war eben Pech, dass du mit 15 Jahren blind geworden bist. Und die Ärzte werden bestimmt zu deinen Lebzeiten nichts finden, was dir so was wie eine Erleuchtung bringt!“
„Ich müsste dir das nicht sagen. Die Maschine ist nur deshalb noch da, weil ich bisher noch niemanden gefunden habe, dem ich sie schenken kann. Ich habe dem Richard Versprochen, dass ich seine Honda nicht verkaufe, dass ich sie verschenke!“ „Das solltest du aber bald tun!“
sagt Arunja eindringlich.

Leo Bass holt die Thermoskanne, stellt sie auf den Tisch und setzt sich auf die Eckbank.
„Wenn Ihnen , Frau Brettschneider, die Aura meines Hauses zu morbide erscheint, können Sie Ihre Partys und Besprechungen in Ihrem Haus abhalten. – Und Bendix, Du könntest Dir eine eigene Wohnung suchen, wenn es Dir hier nicht gefällt! Ich werde mich erst in meinem Urlaub um diese Sachen kümmern, also ab Mitte Juli! „Schenk’ Du den Kaffee aus, Kindchen!“weist mich Arunja an.
Ich gehe mit der Kanne herum und gieße allen Kaffee ein.
„Kannst Du mit einem Holzkohlengrill und einem Zapfhahn umgehen, Kindchen ?“ fragt Krämer grinsend, schaukelnd und in den Augen bohrend.
„Ich kann grillen, zapfen und einen Motorradführerschein habe ich auch, weil ich volljährig bin und ihn schon machen durfte. Und weil ich schon groß und Vielseitig bin, bin ich nicht Ihr Kindchen, sondern Ihre Kollegin Frau Engel!“
„Na, da sieh’ mal einer an, unsere Frau Engel ist tatsächlich auch so eine von den Organlieferantinnen!“
Diese Worte und ihr spöttischer Blick prallen aber an mir ab. Das merkt sie auch. Und ich gebe zu, dass es mir eine Genugtuung ist, wie sehr sie sich darüber ärgert. Und auch Leo bass übergeht diesen Spott einfach und sagt:
„Sie können sich die Maschine ja bei Gelegenheit mal ansehen!“ „Sehr gern!“ antworte ich.
„Krieg’ ich denn hier gar nichts zu essen?“ fragt Bendix Krämer.
Ich biete an, allen Salat aufzutun. Und auch Arunja lässt stich bedienen. Der Salat ist vorzüglich und alle langen auch beim Fladenbrot kräftig zu. Vor allem Bendix Krämer und Frau Brettschneider üben alles andere als vornehme Zurückhaltung. Zunächst sagt niemand etwas. Aber auch das ist keine Zurückhaltung. Und es ist ebenfalls nicht das gefräßige Schweigen, von dem man häufig spricht, wenn Leute an einem Tisch sitzen, gemütlich essen und nichts sagen. Niemand will der Nächste sein, der eine zynische Bemerkung macht.
êEigentlich haben wir heute gar keine Zeit für eine Grillparty, die Lea und ich. Wir wollten Magdalena besuchen. Sie hat ja schließlich keine Verwandten!“ sagt Herr Bass.
„So lange könnt Ihr sowieso nicht bleiben. Sie ist ja auf der Intensivstation.“ meint Krämer.

Mir reichen die Sticheleien. Und ich schlage vor:
„Für so eine große Party muss man zuerst einen Großeinkauf machen. Meine Mitbewohnerin hat ein Auto und hilft uns sicher gern. Und dann geht es auch schneller. Und sie haben noch genug Zeit Ihre Freundin zu besuchen.“ „So lange sie nicht als Gegenleistung verlangt mitgrillen zu dürfen!“ meint Krämer grinsend.
„Warum eigentlich nicht?“ fragt Leo Bass und fügt verschmitzt lächelnd hinzu:
„Wer mitmacht und mitessen darf, das hängt wohl ganz davon ab, wer die Zeche bezahlt. Denn wer bezahlt, bestimmt, was es gibt und bestimmt, wer was bekommt. Und ich nehme nicht an, dass einer von Euch bezahlt. Außerdem gilt immer noch die Regel. Wer arbeitet, muss auch essen.“
„Die erste Rechnung für unser erstes Vierteljahr kommt erst am 15. Juni, das wie#t Du doch!“
„Dann ist ja alles klar, Bendix! Ich bezahle. Aber das ist wirklich das letzte Mal. Das heißt aber auch, dass die Lea, die Frau Engel und ihre Mitbewohnerin mit von der Partie sind, wenn sie gern dabei sein mögen und damit basta!“

„also gut!“ meint Arunja in scheinbar versöhnlichem Ton.
Sie greift in ihre Handtasche, die an ihrer linken Stuhllehne hängt. Sie holt einen Kugelschreiber und einen Block heraus, reißt die Obere Seite des Blockes ab und schiebt mir die Schreibsachen hin. „Für den Einkaufszettel!“

Sie diktiert. Ich schreibe. Und mein irdischer korrigiert die Mengenangaben. Schließlich kommen auch die Getränke an die Reihe.
„Ei Bierfass, fünf Liter, zwei Sixpacks Weißwein, zweimal Rotwein eine Kiste Wodka, drei Flaschen weißer Rum für Colarum, sechs Flaschen Belize, ähm!“
„Das reicht wohl, was die Spirituosen betrifft. Ein paar Flaschen Whisky habe ich zum Beispiel durchaus noch hier.“
„Wir brauchen noch mehrere likeurähnliche Sachen. Die Frauen mögen es ja immer lieber süß!“ meint Krämer.
„Du meinst wohl, dass Du es besonders gern süß magst! – Jetzt verstehe ich auch, woher Eure so genannte Spiritualität herkommt, von den vielen verschiedenen Spirituosen.“
Und wieder zeigt sich auf Leo Bass’ Gesicht ein verschmitztes Lächeln, das noch ausgeprägter ist, als das, was er an diesem Tag schon einmal gezeigt hat.

Als mir Arunja zu verstehen gibt, dass die Liste fertig ist, steht Herr Bass auf und sagt zu Thessa: „Thessa, bring’ das Geschirr! Wir müssen noch Geld holen!“
Und ich nehme mein Handy und rufe Raela an.
Eine halbe Stunde später sind Herr Bass, Thessa und auch Raela da. Von Arunja und Bendix ist weit und breit nichts zu sehen und zu hören.
„Die sind bestimmt in diesem neuen Esoterikladen und kaufen Teufelsdreck und anderen Räucherkram, um sich selbst und uns heute Abend zu benebeln!“ meint Frau Hafenmeister. „Also, auf zum Dienst an der Esoterik!“ sagt Herr Bass.

Wenige Minuten später sind wir im Ersten der beiden Supermärkte, in denen wir auf Raelas Rat einkaufen wollen. Es ist ungewöhnlich voll für einen Dienstagnachmittag. Wir stehen an der Fleischtheke an, an der wir Bauchfleisch und Grillwürstchen kaufen wollen, das hier im Angebot ist, als Leo Bass von einer blonden Frau Anfang dreißig angesprochen wird. „Hallo Leo, Schatz!“
Mir kommt die schlampige Aussprache sofort bekannt vor.
Herr Bass dreht sich sofort um, und ich sehe Thessas unglückliches Gesicht.Und das kommt nicht daher, dass es ihr verboten ist, auf die andere Seite der Fleischtheke zu gehen. „Hallo Vanessa! Warum meldest Du Dich denn nicht, wenn man Dich anruft?“
„Ich war doch Zehn Tage im Kloster. Arunja hat mir doch dieses Seminar für meditativen Tanz empfohlen! Und das war echt super!“ „Kannst Du nicht wenigstens bescheid sagen, wenn so was ist?“ „Der Bendix und die Arunja wussten doch bescheid!“
„Die wussten bescheid, aber Du weißt, dass sie den ganzen Tag nur labern, ohne, dass was dabei ‚rumkommt!“
„Ich komme übrigens heute Abend auch. Ich hab’ gerade mit der Arunja gesprochen, dass ich allen zeigen kann, was ich gelernt habe!“ Inzwischen hat Raela die Bestellung aufgegeben.
Leo Bass wendet sich von seiner Freundin ab und spricht 5:1 Verkäuferin an: „Und dann noch zwei schöne ungewürzte Koteletts für die Hunde!“
„Aber es ist doch nur noch die Thessa!“ sagt Lea Hafenmeister. erschrocken und muss schlucken.

Die Verkäuferin nennt den Preis. Und Herr Bass wendet sich an Frau Hafenmeister.
„Wenn die Daisy nicht bei Deinen Eltern bleiben kann, dann finden wir hier in der Gegend schon jemanden, der ein so herzensgutes Tier aufnimmt!“ Raela sieht mich begeistert an, und ich nicke.
„Also, wir, die Frau Engel und ich sind uns einig, dass wir auf den Hund kommen wollen.Wenn Ihr Hund uns mag, nehmen wir ihn gern. Und Sie können ihn besuchen, wann immer Sie wollen. Wir wohnen im Brunnenweg.“

Ich nehme den Karton mit dem Fleisch entgegen und stelle ihn in einen der beiden Einkaufswagen, die wir dabei haben. Und wir machen uns gefolgt von Vanessa Krämer auf den Weg zu den Spirituosen. Raela sieht mich fragend an. Und ich beantworte ihre Frage auf Engelart. „Die ist sicher von dieser Arunja beauftragt alles zu beobachten!“
Und sie beobachtet nicht einfach nur. Sie fragt uns aus. Woher wir kommen? Was wir so tun? Woher wir uns kennen?Warum ausgerechnet wir zusammen wohnen? Es fällt uns dabei nicht leicht uns auf den Einkauf von Lebensmitteln, Einweggeschirr etc. zu konzentrieren. Natürlich hilft sie uns nicht bei der Einkauferei. Und als wir bezahlt haben und die Wagen beladen, um sie zum Auto zu bringen, ist es Herr Bass, der zu seiner Freundin sagt:
„was soll die Fragerei? Wenn Du nicht helfen willst, kannst Du ja schon mal nach Hause gehen und Dich um die Vorbereitung des Gartens kümmern!“
Aber sie geht nicht nach Hause. Sie fährt uns mit ihrem Auto hinterher zum zweiten Supermarkt. Aber wenigstens hört sie mit der Fragerei auf.

Es ist drei Uhr, als wir wieder im Haus von Herrn Bass ankommen.
Nachdem die Einkäufe ausgepackt und verstaut sind. Einigen wir uns darauf, dass Raela, Frau Hafenmeister und ich zum Krankenhaus fahren, um Magdalena zu besuchen. Und dass wir danach zusammen zur Familie Hafenmeister fahren, um Daisy abzuholen, bevor wir dann spätestens um halb sechs wieder zurückkommen, um bei den Vorbereitungen für das „Esoterikgrillen“, wie Leo Bass es nennt, zu helfen. Bevor ich das Haus verlasse, gehe ich zu Thessa:
„Tut mir leid, dass Du so lange auf die Sache mit Daisy warten musstest. Aber die Zankerei und die Arbeit im Dienst der Esoterik ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Da habe ich meinen Einsatz nicht gefunden!“

“Kein Problem!“ denkt Thessa zu mir hin.
Und zwei freundliche Hundeaugen lächeln mich einfach nur an. © Paula Grimm, 2015

Wenn Du dieses Projekt und Texthase Online auch finanziell unterstützen möchtest, dann klicke hier:

Flattr this

Und hier geht es zum aktuellen Stand des Engelromans

https://paulasromantik.com/aktueller-stand-des-engelromans/

Advertisements

Über Texthase Online

Diesen Blog führe ich seit dem 16. November 2012. Als Autorin benutze ich das Pseudonym Paula Grimm. In diesem Blog findet Ihr nicht nur Prosatexte, Haikus und Essays sondern auch Wissenswertes über das Schreiben, Barrierefreiheit, Internetshops und Webseiten, die ich bei meinen Streifzügen durch das Web finde und alles, was mich privat und beruflich interessiert. Christiane (Texthase Online)
Dieser Beitrag wurde unter Engelroman abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Stella Engel: Der erste Schutzauftrag: 09. Im Dienst der Esoterik?

  1. Neko schreibt:

    Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Bei Stella geht es nun Esotherisch zu!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s