Stella Engel: Der erste Schutzauftrag: 10. Die Gedanken- und gefühlsbrücke für Magdalena und Lea

Guten Tag Ihr Lieben,

montags immer Engelroman! Das habe ich auch diesmal wieder geschafft. Es ist so ein Übergangskapitel geworden. Dabei geht es wieder einmal darum, was Schutzengel so können. Das Kapitel hat aber einen anderen Titel bekommen, als ich letzte Woche geschrieben habe. Und nächste Woche geht es rund mit Bällen und anderen runden Sachen!

Liebe Grüße

Paula Grimm

10. Die Gedanken- und Gefühlsbrücke für Magdalena und Lea

„Wir müssen reden!“
hat Vanessa zu Leo Bass gesagt. Und Lea Hafenmeisters Gesicht hat einen verzweifelten Ausdruck bekommen.
„Das ist nicht schlimm. Die Stella oder ich begleiten Sie zu Magdalena!“ sagt Raela. Ich habe die Missgunst, die in Vanessa aufgekeimt ist, gespürt und habe gesagt:
„Raela arbeitet in dem Krankenhaus, in dem Ihre Freundin ist. Und da sie keine Verwandten hat, und weil es nicht um eine Entscheidung sondern um einen Besuch geht, wird man Sie zu Ihrer Freundin lassen und auch nichts dagegen haben, dass ich Sie begleite!“
Und auch Herrn Bass ist nicht entgangen, dass seine Freundin sich einmischen will.
„Wir haben wirklich zu reden!“ hat er an seine Freundin gewendet gesagt, bevor er sich zu Lea Hafenmeister gewendet hat, um ihr zu sagen: „Und das nächste Mal gehe ich natürlich gern mit!“

Wir fahren mit Raelas Auto zum Krankenhaus. Lea Hafenmeister sitzt auf dem Rücksitz, Raela fährt. Und ich sitze auf dem Beifahrersitz. Autos sind wirklich nicht mein Ding. Ich fühle mich irgendwie eingesperrt, obwohl Raela einen Kombi fährt, der ja gar nicht so klein ist. Vor allem, wenn wir an einer Ampel stehen, fühle ich mich unbehaglich.

„Was wirst Du für Frau Hafenmeister und Magdalena jetzt tun?“ fragt Raela mich nach Engelart.
„Ich werde unseren himmlischen Chef um Erlaubnis bitten, Die Gefühls- und Gedankenbrücke von Mensch zu Mensch machen zu dürfen!“
„Das ist eine gute Idee. Du kannst das bestimmt sehr gut. Als ehemalige Seelenführerin musstest Du das sicher schon oft machen!“ Ich nicke. Und dann wende ich mich gedanklich an Gabriele.
„Darf ich gleich für ungefähr eine halbe Stunde die Gedanken- und Gefühlsbrücke für Lea und Magdalena sein, Herr und Meister?“
„Ich heiße Gabriel, Stella. Aber natürlich darfst Du Magdalena und ihrer Freundin auf diese Art helfen!“ lautet Gabriels Antwort. „Vielen Dank, Herr, äh, Gabriel!“

Wenige Sekunden später parkt Raela gekonnt rückwärts ein und stellt den Motor ab. Wir steigen aus. Und ich biete Lea Hafenmeister meinen Arm an. Sie hakt sich bei mir ein. Raela geht vor, um mit der Stationsschwester der Intensivstation zu sprechen, die ihre direkte Vorgesetzte ist, denn meine Mitbewohnerin ist seit zwei Jahren in dieser Abteilung beschäftigt.

Die Intensivstation,, die Säuglingsstation und die Säuglingsintensivstation befinden sich im Erdgeschoss des Marienhospitals. Als Frau Hafenmeister und ich die Station betreten, kommt uns eine kleine runde Frau Ende 50 entgegen. Unter ihrem Schwesternkittel trägt sie den Habit der Benediktinerinnen. Sie begrüßt uns freundlich, gibt uns sterile Kleidung und zeigt uns, wo wir uns die Hände waschen sollen.

Das Zimmer, in dem sich Magdalena befindet, ist wie alle Krankenzimmer auf der Station zum Flur hin offen. So können Schwestern und Ärzte jeder Zeit schnell und ungehindert zu den Patienten. Nur Magdalenas Bett, das medizinische Equipment und zwei Stühle befinden sich im Raum.

Wir setzen uns auf die beiden Stühle, die so nah am Krankenbett stehen, dass Frau Hafenmeister ihrer Freundin ganz einfach die Hand geben kann. Doch das traut sie sich zuerst nicht. Raela steht plötzlich in der Tür und sieht auf die Anzeigen der medizinischen Geräte und sieht ungefähr eine halbe Minute auf das, was sie anzeigen.
„Das ist gut! Alles stabilisiert sich. das heißt, Magdalena merkt doch, dass Ihr da seid und ihr gut tut. – ich warte dann im Schwesternzimmer auf Euch!“ Dann wendet sie sich ruhig ab , und wir hören sie den Flur entlang gehen.

Jetzt ist es an der Zeit für den Aufbau der Gefühls-und Gedankenbrücke. Diese Verbindung zwischen einem schwer kranken oder sterbenden Menschen und einem Verwandten oder Freund herzustellen ist auch für gestandene Seelenführer oder Schutzengel alles andere als eine einfache Aufgabe. Wir brauchen dazu nicht nur die Erlaubnis unseres direkten Vorgesetzten und werden hart bestraft, wenn wir dieses Einverständnis nicht einholen. Für diese Aufgabe benötigen Engel eine besondere Auge-Hand-Koordination, für die äußerste Konzentration und Hingabe sowie eine ruhige, starke und flexible Engelhand erforderlich sind. Und das ist wie mit allen schwierigen Dingen. Wenn ich beschreibe, was ich dabei zu tun habe, klingt es ganz einfach. Schließlich wische ich nur die Vorbehalte und Ängste weg, die Lea Hafenmeister hat, und die sie blockieren. Und für Magdalenas Lebenszeichen, die so gering sind, dass ihre Freundin sie nicht süßen kann, bin ich der Verstärker. Wenn man bedenkt, was eine Engelhand so kann, wie wandlungsfähig sie ist, klingt das doch ganz einfach, oder?

Eine Schwierigkeit ist dabei, dass Blockaden und Lebenszeichen immer gleichzeitig auftreten und koordiniert werden müssen. Dazu ist eine absolute Hingabe und große Flexibilität nötig. Denn die Kommunikation zwischen den beiden Menschen darf nicht einmal für den kleinsten Bruchteil einer Sekunde abreißen.Und ein Engel muss absolut ruhig und geduldig bleiben dabei. Denn Hast und Ungeduld setzen Menschen unter Druck, so dass sie nicht mehr sie selbst sein können. Und wenn man sich diese Aufgabe wie ein Band zwischen zwei Menschen vorstellt, wird klar, dass der Kontakt gerade durch Ungeduld und Eile besonders leicht abreißen kann.

Ich mache aus meiner linken Menschenhand wieder meine Engelarbeitshand, indem ich sie konzentriert mit meinem dritten Auge ansehe, bis mein Handrücken in Purpur und blau zu leuchten beginnt. Eine wichtige Regel bei dieser Aufgabe ist, dass ich die Menschen nicht direkt und auf Menschenart berühren darf. Auch das wäre ein unzulässiges Druckmittel. Dann bekämen die beiden meine Gegenwart deutlich zu spüren. Ich muss aber unerkannt bleiben. Denn auch das hilft ihnen sie selbst zu sein und sich ungestört miteinander zu befassen.

Das Erste, was ich spüre ist, dass sich Lea Hafenmeister nicht traut, Magdalena die Hand zu geben, obwohl sie genau das gern möchte. Also wische ich ihre Scheu weg. Und tatsächlich tastet Frau Hafenmeister nach Magdalenas Hand, um sie liebevoll zu halten.

Zunächst sagt sie nichts. Sie weiß ja nicht, ob Magdalena überhaupt etwas wahrnimmt. Und ich verliere Gott sei Dank nicht die Geduld. Denn es dauert seine Zeit, bis Lea Hafenmeister die kleinen Lebenszeichen, die ihr Magdalena übermittelt, mit allen Fasern ihres Seins aufgespürt hat und in der Lage ist, mit ihrer Freundin zu sprechen.

Und schließlich beginnt Frau Hafenmeister leise mit Magdalena zu sprechen. Es fällt ihr natürlich nicht leicht. Das hört man ihrer Stimme auch sehr deutlich an. Sie redet langsam und macht Pausen, in denen sie sich auf Magdalena und das konzentriert, was sie über ihre Hand von ihrer Freundin erspüren kann.

„Ich bin froh, dass Du noch da bist!“ Und dann erzählt sie alles, was sei seit gestern Abend, seit Magdalena zur Chorprobe gegangen ist, erlebt hat.
„Und der Leo hat ganz fest versprochen, dass er das nächste Mal auch mit kommt! Er vermisst Dich genauso, wie ich Dich vermisse. Er kann das bloß nicht so zeigen. Schließlich ist die Vanessa auch noch da. Und sie macht furchtbaren Ärger und regt sich schrecklich auf!“

Und dann wird meine Gelassenheit und Ruhe auf eine harte Probe gestellt.
„Die beiden Frauen aus dem Brunnenweg, von denen ich Dir eben erzählt habe, die sind wirklich richtig nett und hilfsbereit. Sie haben so eine praktische Freundlichkeit, wie sie auch Deine Tante hatte. Und dabei sind sie ganz natürlich. So stelle ich mir Engel vor!“
Wie gut, dass sie nicht gesagt hat, dass wir Engel sind. Solche Sachen sagen Menschen meistens zwar nur so dahin, aber man kann ja nicht genau wissen, ob sie auf diese Weise Engeln tatsächlich auf die Spur kommen.

„Sie nehmen auch die Daisy zu sich, wenn ich das möchte. Und meine Mutter und die Larissa beschweren sich immer mehr, dass mein Vater so viel Zeit mit ihr verbringt. Der ist eigentlich froh, dass er jemanden hat, mit dem er viel draußen sein kann. Wir holen Daisy gleich ab. Dann lasse ich sie erst einmal mit den beiden Ball spielen. Wenn sie das zulässt, ist das ja immer das Zeichen, ob sie jemanden mag oder nicht. Aber ich glaube, sie werden sich wirklich mögen!“

Wieder entsteht eine kleine Pause, in der sich Lea Hafenmeister auf Magdalena konzentriert. Und wir merken beide, dass es jetzt genug für sie ist.
„Ich hab’ Dich lieb und bete für Dich! Und morgen Nachmittag kommen der Leo und ich Dich besuchen!“

Sie drückt kurz die Hand ihrer Freundin und steht auf. Und während ich auch aufstehe, verstärke ich mein Schutzsiegel für Magdalena und lasse meine Hand wieder zu einer einfachen Menschenhand werden.

„Frau Engel, sind sie noch da?“ fragt Frau Hafenmeister, die so erleichtert über das Erlebte ist, dass sie noch nicht ganz in der neuen Situation angekommen ist.

„Ich bin hier!“ antworte ich und biete ihr wieder meinen Arm an. „Ich habe wirklich gar nicht gemerkt, dass Sie noch da waren!“
„So soll es auch sein! Es ist gut, dass sie sich ganz auf sie konzentriert haben.“

Als wir vor dem Krankenzimmer stehen, kommt Raela auf uns zu. Sie sagt nichts, denn sie merkt, wie gut alles gegangen ist.

„Ich möchte sie gern noch zu einer Tasse Kaffee einladen, bevor wir zu meinen Eltern fahren.“
Das schlagen wir ihr natürlich nicht aus, obwohl wir auch ohne diese Geste spüren, wie dankbar sie uns ist. Und was haben wir gleich zu Anfang des Schutzengelseminars gelernt? Für Menschen ist es gesund, wenn sie zur Dankbarkeit fähig sind und sie ausleben dürfen.
© Paula Grimm, 2015

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